Handelskammer Hamburg 2007

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Hamburg Summit

Ni Hao

Langsam wird die Zeit knapp, „Guten Tag“ auf Chinesisch zu lernen. Denn Mitte September ist es wieder so weit – der dritte „Hamburg Summit: China meets Europe“ findet in der Handelskammer statt.

Let us understand that we are neighbours! – „Wir sollten uns als Nachbarn verstehen“, forderte Altbundeskanzler Helmut Schmidt 2006 auf dem zweiten Hamburg Summit. Dieser Aufruf ist nach den oft sehr schwierigen politischen Umständen der letzten Zeit wieder aktuell. Und nun gibt es eine weitere Gelegenheit, mit dem fernen Nachbarn China in einen intensiven und fairen Dialog zu treten.

Die Handelskammer veranstaltet vom 10. bis zum 12. September zum dritten Mal den „Hamburg Summit: China meets Europe“, ein mehrtägiges Forum für europäische und chinesische Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Seit 2004 treffen sich im Zweijahresrhythmus Vertreter aus China, Asien, Europa und den USA in der Handelskammer. Das hohe Niveau der teilnehmenden Vertreter von chinesischen und europäischen Institutionen zeigt die Bedeutung dieser Begegnung. Besonders die Präsenz des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao beim Hamburg Summit 2006 unterstrich, dass auch die chinesische Regierung die Bemühungen der Handelskammer Hamburg um einen gleichberechtigten Dialog auf höchster politischer Ebene wahrnimmt.

Zu den Höhepunkten des diesjährigen Hamburg Summit wird die Rede von Bundesaußenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier während des Opening Dinners gehören. Steinmeier setzte sich gerade in den zuletzt schwierigen Zeiten für die Fortführung des konstruktiven Dialogs mit China ein. Die EU wird durch ihren Kommissar für Steuern und Zölle, László Kovács, vertreten sein. Der Ungar war vor seiner EU-Tätigkeit mehrfach Außenminister seines Landes. Wegen der Teilnahme von Steinmeier und Kóvács ist gesichert, dass auch von der chinesischen Regierung ein hochrangiges Mitglied anreisen wird.

Zur Eröffnung der Konferenz am 11. September wird Lucas Papademos sprechen, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank. Der griechische Ökonom wird die Haltung seines Instituts zur chinesischen Finanzpolitik darstellen und dabei sicher auch das Thema „Aufwertung der chinesischen Währung“ ansprechen. Die französische Ministerin für Außenhandel, Anne Marie Idrac, der ehemalige französische Ministerpräsident Michel Rocard sowie der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident von Großbritannien, Michael Heseltine, werden ebenfalls die europäische Seite der Konferenz vertreten. Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommt Sheikha Lubna Al Qasimi, die Ministerin für Außenhandel, zum Summit. Sie wird aus der Perspektive der Emirate über die gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklungen Chinas sprechen.

Zum Abschluss der Konferenz sprechen der US-amerikanische Nobelpreisträger in Wirtschaftswissenschaften, Edmund Phelps, und Singapurs Staatsgründer, Lee Kuan Yew. Phelps erhielt 2006 den Nobelpreis für seine Analyse „intertemporaler Zielkonflikte in makroökonomischer Politik“. Beim Hamburg Summit wird Phelps zum Thema „The Value of Innovation and the Difficulty of Generating it“ sprechen, also über den Wert von Innovationen und die Schwierigkeit, diesen zu generieren. Lee Kuan Yew wird, wie bereits in den Vorjahren, über eine Videokonferenzschaltung einen Redebeitrag leisten.

Warum findet diese hochrangige Konferenz gerade in Hamburg statt? Was qualifiziert die Hansestadt als Schauplatz des chinesisch-europäischen Dialogs? Die Antwort liegt in den traditionellen und gegenwärtigen Handelsbeziehungen Hamburgs mit der Volksrepublik. Die Hansestadt ist Deutschlands bedeutendster Standort im Handel mit China und eine wichtige Drehscheibe zwischen den Wachstumsmärkten Asiens und Osteuropas. In keinem anderen Hafen Europas werden im China-Verkehr mehr Container umgeschlagen als hier. Mehr als 800 Hamburger Unternehmen sind heute im China-Handel tätig, und über 400 chinesische Firmen haben sich in der Hansestadt angesiedelt, darunter international agierende Unternehmen wie Cosco, Sinotrans und China Shipping – deren Firmenlogos auf zahlreichen Containern im Hafen zu sehen sind. Kein anderer Standort in Europa hat so enge Beziehungen zur Volksrepublik wie Hamburg, das oft als Chinas Tor zu Europa bezeichnet wird. Ein passender Ort also für ein Gipfeltreffen zwischen beiden Wirtschaftszentren. China wandelt sich in atemberaubendem Tempo. Nicht nur der Wirtschaftsstandort Hamburg, sondern auch die gesamte Europäische Union profitiert von der nachhaltigen Öffnung, die China in den vergangenen Jahren vollzogen hat. Gerade im Zuge des WTO-Beitritts hat China große Anstrengungen unternommen, sich als fairer Wettbewerber in den Welthandel zu integrieren. Dennoch stehen die sinoeuropäischen Beziehungen immer noch vor vielen Herausforderungen. Die negativen Begleiterscheinungen des rapiden Wirtschaftswachstums in China, die sich beispielsweise an der Umweltproblematik zeigen, bedürfen besonderer Aufmerksamkeit und erfordern eine intensive Kooperation zwischen China und Europa auf höchster politischer und wirtschaftlicher Ebene.

Der Schwerpunkt des dritten Hamburg Summit liegt folgerichtig beim Umwelt- und Klimaschutz. Diese Themen bewegen spätestens seit dem G8-Gipfel und der UN-Klimakonferenz auf Bali im Jahr 2007 Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gleichermaßen. Die Erkenntnis, dass die Umweltverschmutzung nicht nur sehr negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung, sondern auch auf die Lebensumstände der Menschen haben wird, ist in Peking bereits bei der Zentralregierung angekommen, wie auf dem Parteitag 2007 und den vergangenen beiden Nationalen Volkskongressen deutlich wurde. Europäische Unternehmen können mit ihrer technologischen und organisatorischen Expertise einen Beitrag zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Chinas leisten. Auf dem Hamburg Summit 2008 sollen neue gemeinsame Ziele festgelegt und Ansätze für eine Verstärkung der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich Umwelt- und Klimaschutz erörtert werden.

Zum Thema Umwelt diskutieren unter anderem Christine Loh, Geschäftsführerin des Hongkonger Think Tanks Civic Exchange, Simon Brooks, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, Peter Rieck, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank AG, Johannes Merck, Leiter des Bereichs Corporate Responsibility der Otto Group, und Martin Brudermüller, Vorstandsmitglied von BASF SE. Otto und BASF bemühen sich seit Jahren verstärkt um unternehmerische Verantwortung (Corporate Social Responsibility) – auch in ihren Beziehungen zur Volksrepublik China. Dabei steht der Umweltschutz neben sozialen Aktivitäten an erster Stelle. So hat die Otto-Gruppe den Umweltschutz bereits in den 1980er Jahren ausdrücklich zum Unternehmensziel erklärt. Seit den 1990er Jahren wird mit einem zertifizierten Umweltmanagement-System gearbeitet. BASF bietet energiesparende und umweltschonende Technologien und investiert 30 Prozent der Forschungsausgaben in die Senkung des Energieverbrauchs. Simon Brooks als Verantwortlicher der European Investment Bank für Umweltkredite und -strategien sorgt für die Finanzierung von Investitionen in Umwelttechnologien. Auch die HSH Nordbank setzt auf Umweltschutz. Sie gehört nach eigenen Angaben bei Projektfinanzierungen im Bereich Erneuerbare Energien, insbesondere bei Windkraft, weltweit zu den drei führenden Instituten. Die Bank ist erneut und damit zum dritten Mal Hauptsponsor des Hamburg Summit.

Wie in den Vorjahren entsendet Chinas wichtigster Industrieverband, die China Federation of Industrial Economics (CFIE), eine hochrangige chinesische Unternehmerdelegation zum Hamburg Summit. So werden etwa der Präsident der staatlichen Werft China State Shipbuilding Corporation und der Vizepräsident des weltgrößten Hafenkranbauers, der Shanghai Zhenhua Port Machinery Group, anreisen.

Auf dem Hamburg Summit 2006 wünschte sich Ministerpräsident Wen Jiabao eine Brücke zwischen China und Europa. Der Hamburg Summit hat zum Ziel, eine solche Brücke zu bauen. Durch die Unterstützung deutscher, europäischer und chinesischer Unternehmens- und Regierungsvertreter kann damit auch 2008 ein weiteres Stück dieser interkontinentalen Brücke entstehen. Passend dazu besagt ein chinesisches Sprichwort: „Eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“

Anja Wendt
anja.wendt@hk24.de
Telefon 36 13 8 445

Infos und Kontakte

Weitere Informationen und das aktuelle Programm gibt es unter www.hamburg-summit.com

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hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2008