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wirtschaft

12/2015

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Po r t r ä t

Instrumentenbau

Das

Kunstwerk

hinter der Musik

Manche Berufe scheinen in eine andere Zeit zu gehören und sind doch

unvergänglich. Das gilt auch für den Geigenbau. Eduard Schwen leitet die

Geigenbauwerkstatt Georg Winterling, die ihr 125-jähriges Bestehen feiert.

D

ie Geschichte darüber, wie der Zauberlehr-

ling Harry Potter zu seinem Zauberstab

kommt, kennt fast jedes Kind. Der Stab suche

sich seinen Zauberer aus und nicht umgekehrt,

heißt es in den Büchern. Ganz so leicht haben

es Musiker auf der Suche nach dem für sie pas-

senden Instrument nicht. Denn: „Das wirklich

gute Instrument ist differenzierter, sensibler

und direkter im Umsetzen von dem, was der

Musiker spielen möchte“, betont der Geigen-

bauer Eduard Schwen. „Es ist also nicht nur

eine Frage des Geldbeutels, sondern auch des

Fotos: Mike Schaefer

Die Chemie muss stimmen: Cellospieler und Geigenbauer Eduard Schwen weiß, wie wichtig die gute Beziehung zwischen Musiker und Instrument ist

Gefühls der Sicherheit und Differenziertheit

beim Spielen.“

Zwischen 150 und 200 Streichinstrumente

bietet der vierfache Vater in seinem urigen

Geschäft in einem Fachwerkhaus am Valen-

tinskamp zum Kauf an. Außerdem vermietet

er mehrere Hundert an Anfänger und Schüler.

2009 hat er den Geigenbau Georg Winterling

übernommen. Es war eben jener Herr Winter-

ling, der das Unternehmen 1890 gegründet

und national wie auch international bekannt

gemacht hat.

Der Firmenname ist über all die Jahre ge-

blieben, die Eigentümer hingegen wechselten

mehrfach. Eduard Schwen ist bereits der

sechste Inhaber. Neben dem Neubau, der Re-

paratur und Restaurierung sowie dem Handel

mit Instrumenten und Bögen bietet er weitere

Dienstleistungen an. Dazu gehören individu-

elle Anfertigungen nach speziellen Vorgaben

oder als Kopien sowie die Begutachtung histo-

risch wertvoller Streichinstrumente.

Seine Begeisterung für dieses Thema ent-

wickelte er schon als Kind. „Mit elf habe ich