Handelskammer Hamburg 2010

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Wirtschaft hautnah

NDR live aus Hamburg

Bei der fünften Ausgabe der Leseraktion „Wirtschaft hautnah“ warfen neun Teilnehmer einen Blick hinter die Kulissen des NDR Fernsehens.
Bis zu 3000 Nachrichtenmeldungen laufen täglich über die Bildschirme der Tagesschau-Redakteure. Auf elf Konferenzen pro Tag besprechen sie die aktuellen Geschehnisse, entscheiden immer wieder neu, welche Themen mehr und welche weniger relevant sind. Insgesamt 100 Redakteure arbeiten
für Tagesschau, Tagesthemen, Nachtmagazin und Wochenspiegel im Schichtdienst, einen Dienstschluss gibt es nicht.

Die neun Teilnehmer der Leseraktion „Wirtschaft hautnah“ stehen im Regieraum von Deutschlands beliebtesten Nachrichtensendungen. Überall bunte Schalter, Knöpfe in unterschiedlichsten Größen und jede Menge Bildschirme. Gleich nebenan, durch eine Glaswand abgetrennt, liegt das blaue Studio, das der Zuschauer nur aus dem Fernsehen kennt.

NDR-Mitarbeiter Jörn Behrens zeigt den „Wirtschaft hautnah“-Gästen den Teleprompter – ein Monitor, der direkt unter dem Kameraobjektiv angebracht ist. Von ihm lesen die Nachrichtensprecher ihre Texte ab, wobei es so aussieht, als trügen sie frei vor und schauten dem Zuschauer daheim direkt in die Augen. Für den Fall, dass einmal die Technik versagt, hat jeder Moderator auch alles auf Papier vor sich liegen. „Nur bei der Tagesschau um 20 Uhr wird aus Traditionsgründen immer vom Zettel abgelesen“, erzählt Behrens. Als sich „Wirtschaft hautnah“-Teilnehmer Markus Manke zum Spaß einmal selbst hinter den Moderationstresen stellt, erscheint er sogleich auf dem Bildschirm. Im Hintergrund ist ein Foto von Fußballbundestrainer Joachim Löw eingeblendet. „Wie wird man eigentlich Moderator?“, fragt Regina Besche, die ebenfalls zur neunköpfigen Besuchergruppe gehört. „Ganz einfach ist das nicht“, antwortet Jörn Behrens. „Die Sprecher müssen über alle Themen sehr gut Bescheid wissen – von der Urananreicherung im Iran bis hin zur Bürgermeisterwahl um die Ecke.“

Dann betritt Moderatorin Susanne Stichler, die an diesem Tag die Nachmittagsausgabe der Tagesschau moderiert, das Studio. Sendebeginn ist um 15 Uhr, und es bleiben nur noch wenige Minuten. Doch Lampenfieber scheint Stichler nicht zu kennen. Sie begrüßt die „Wirtschaft hautnah“-Gäste und ist sogar noch zu Scherzen aufgelegt.

In den Fernsehstudios des Norddeutschen Rundfunks in Lokstedt werden neben Tagesschau und Tagesthemen auch noch viele andere Sendeformate produziert – vom Satiremagazin Extra 3 über die NDR Talkshow bis hin zur serviceorientierten Nachmittagsunterhaltung. Um als Studiogast bei einer Sendung live dabei sein zu können, muss der Interessent oft lange warten. Bei der NDR Talkshow zum Beispiel, dem Klassiker deutscher Fernsehunterhaltung, kann es schon mal drei Jahre dauern.

Beim Fernsehen läuft vieles über schöne Optik. Damit das auf dem Fernsehschirm auch zu sehen ist, kommt es auf die richtige Studiobeleuchtung an. Und so baumeln von den Decken Hunderte von Scheinwerfern, die alle von Hand eingestellt werden. „Für einige Sendungen kann das bis zu vier Stunden dauern“, sagt Behrens. „Das ist viel Arbeit, aber zuverlässiger als motorbetriebene Scheinwerfer.“ In nur wenigen Studios werden täglich unterschiedlichste Formate produziert. Dafür müssen Dekoration, Beleuchtung und Möblierung jeweils geändert werden.

Etwa 1300 Menschen, darunter Bild- und Tontechniker sowie Reporter und Maskenbildner, arbeiten beim NDR Fernsehen in Hamburg. Da Formate wie die Tagesschau live gesendet werden, bleibt wenig Zeit, und jeder Handgriff muss sitzen. Und am Ende gelingt es wieder: Der Fernsehzuschauer kann sich daheim entspannt auf dem Sofa zurücklehnen. Er weiß ja nicht, dass es hinter den Kulissen immer weitergeht.
Juliane Kmieciak
juliane.kmieciak@hk24.de
Telefon 36138-563

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2010