Handelskammer Hamburg 2009

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Wasserstoff-Gesellschaft 

Der Zeit voraus

Wasserstoff gilt mit seinen klimaschonenden Eigenschaften als Energieträger der Zukunft. Die vor genau 20 Jahren gegründete Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg e. V. hat sich zum Ziel gesetzt, die Hansestadt zur Wasserstoffmetropole zu machen.

H ist das Zeichen für das Element mit der besonderen Eigenschaft: Wasserstoff kann Energie speichern und hat somit ein großes Zukunftspotenzial als Energieträger für Automobile, Flugzeuge und Schiffe. Vor 20 Jahren steckte die Technologie noch in der Anfangsphase. Zwölf Hamburger Pioniere erkannten jedoch die Möglichkeiten, die eine Nutzung des Wasserstoffs bot. Am 14. September 1989 wurde die „Gesellschaft zur Einführung des Wasserstoffs in die Energie-Wirtschaft e. V.“ gegründet. Auf den Tag genau wird dieses historische Datum feierlich in der Handelskammer begangen.

Anfänglich war es eine kühne Idee, die ­einige Hamburger Unternehmer begeisterte. Inspiriert durch die fantastische Idee, Wasserstoff vom damaligen Experimentierfeld Grönland per Unterwasserleitung oder in flüssiger Form mit dem Schiff nach Hamburg zu bringen, begannen sie, sich mit dem Energieträger auseinanderzusetzen. „Der Gedanke zur Gründung der Gesellschaft entstand, weil uns vor 20 Jahren bewusst wurde, dass die Kohlenwasserstoffe und auch die Kohle als Basis der Energieerzeugung ersetzt werden müssen“, erinnert sich Hansjörg Sinn, eines der Gründungsmitglieder und damaliger Erster Vorsitzender. „Es bestand der Wunsch, Hamburg möglichst früh in diese Entwicklung einzubinden.“ Wasserstoff hat die hervor­ragende Eigenschaft, ohne klimaschädliche Nebenprodukte bei der Verbrennung Energie zu liefern – und das aus Wind, Sonne und Biomasse. Die neue Gesellschaft wollte vor allem die dafür notwendige Technologie auf den Weg bringen und Wasserstoffprojekte zur Marktreife pushen.

Der Plan hat sich erfüllt: Heute gehören Busse mit Brennstoffzellen und Wasserstoff als Energieträger zum festen Stadtbild. Mit moderner Brennstoffzellentechnologie in einem Alsterdampfer geht es auch emissionsfrei durch die Kanäle. In Finkenwerder werden künftig im Speziallabor „Fuel Cell Lab“ die Möglichkeiten kreativer Wasserstoff-tech­nologie für den Flugzeugantrieb getestet. Erst kürzlich gab es eine Weltpremiere, als ein Motorsegler als wichtiges Testmodul für das Deutsche Raumfahrtzentrum mit Brennstoffzellen geräuschlos vom Boden abhob. Bislang braucht Wasserstoff große Speicherkapazitäten, um ferne Ziele problemlos zu erreichen. Die Fähigkeit, ihn in Flüssigform, unter Druck, in Metallhydriden oder anderen Speicher­medien zu lagern und zu transportieren, ist jedoch in den vergangenen Jahren stetig verbessert worden. „Alternative zum gespeicherten Wasserstoff sind Hochleistungs­batterien, zum Beispiel auf Lithium-Ionen-Basis“, so Hansjörg Sinn. „Ich gehe davon aus, dass im Zusammenhang mit einer dezent­ralen Stromerzeugung verschiedene Speichermöglichkeiten zumindest noch einige Jahrzehnte parallel genutzt werden.“

Schiffe, Flugzeuge und Automobile, die sich ohne Verschmutzung der Umwelt und ohne die Abhängigkeit von fossilen und somit endlichen Rohstoffen wie Kohle und Gas bewegen lassen – im Jahr 1989 war das für die insgesamt zwölf Gründungsmitglieder der Wasserstoff-Gesellschaft noch eine Vision. Zu ihnen gehörten Wirtschaftsführer aus Hamburger Unternehmen. Auch der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn war dabei, damals Geschäftsführer von Airbus in Hamburg. Henning Voscherau, seinerzeit Bürgermeister, war ebenso „Feuer und Flamme“ wie Reeder Nikolaus W. Schües. Dieser gewann die Unternehmen in seiner Rolle als Netzwerker, später dann auch als Handelskammer-Präses, als Wirtschaftspartner beim Einsatz der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Neben Fachbehörden, Handelskammer und Handwerkskammer engagieren sich inzwischen über 60 Firmen – von Airbus Deutschland über Blohm und Voss bis hin zu Vattenfall –, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Hamburger Landesinitiative, der 2005 vom Senat ins Leben gerufenen Plattform für die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Sie alle wollen die Hansestadt zur Modellregion für emissionsfreie Mobilität machen.

Das Etappenziel des 1997 in „Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg“ umbenannten Vereins ist damit erreicht. „Nun gilt es, eine ausgereifte Technik und die nötige Infrastruktur bis 2025 zu entwickeln“, sagt Nikolaus W. Schües, seit vier Jahren Erster Vorsitzender der Gesellschaft. „Wir wollen weitere konkrete Projekte anschieben, um die Vorteile dieser sauberen Technologie nachweisen zu können.“ Die umwelt- und ressourcenschonende Umwandlung von Primärenergie in Wasserstoff ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern vor allem durch die Nutzung von Windkraft möglich. Dieser Herausforderung will sich die Wasserstoff-Gesellschaft in einer gemeinsamen Studie mit den Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein stellen, um das Potenzial von Windkraftanlagen zur Herstellung von Wasserstoff zu ermitteln – in Zeiten, in denen die verfügbare Windenergie aus Kapazitätsgründen nicht in das Netz eingespeist werden kann.

Hamburgs Siegeszug als Wasserstoffme­tropole wird nicht aufzuhalten sein. Beschlossen sind bereits der Ausbau der Flotte von Brennstoffzellenfahrzeugen und der dafür notwendige Aufbau von Wasserstofftankstellen, unter anderem in der Hafencity. Die Hysolutions GmbH als Weiterentwicklung der vor 20 Jahren gegründeten Gesellschaft koordiniert alle Projekte und ist Ansprechpartner für Investoren. Die Kommerzialisierung der Zukunftstechnologie an der Elbe ist Voraussetzung für die Stärkung des Standortes als „Kreativschmiede“ zur Erzeugung und Nutzung des sauberen Energieträgers. So wächst das Bewusstsein für Ökosprit und die Bereitschaft, neue Projekte anzuschieben. Aktuelles Beispiel: Der europaweit erste Wasserstoffbus auf einem Klinikgelände wird demnächst am UKE betrieben und soll vier Jahre im Linien­einsatz erprobt werden. Auch dieses Projekt wird aus dem „Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ der Bundesregierung gefördert. Bis zum Jahr 2016 steckt der Bund 500 Millionen Euro in Forschung und Weiterentwicklung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie in Deutschland.

Nicola Sieverling
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36138-305

Informationen

Die Wasser­stoff-Gesellschaft im Internet: www.h2hamburg.de.


hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2009