Handelskammer Hamburg 2006

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Sprachtraining

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Gute Englischkenntnisse sind heute in vielen Wirtschaftszweigen unverzichtbar. Doch die Praxis zeigt, dass die eigenen Sprachkünste oft stark überschätzt werden.

„Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“, bemerkte bereits Johann Wolfgang von Goethe vor mehr als 200 Jahren in seinen „Maximen und Reflexionen“. Heute hätte er wahrscheinlich erkannt: „Wer fremde Sprachen nicht kennt, hat bei seiner Berufskarriere kaum eine Chance!“

Nicht erst seit der EU-Erweiterung sind Fremdsprachenkenntnisse für den beruflichen Erfolg unverzichtbar. „Ohne gutes Englisch läuft nichts“, sagt Marcus de Heus von der Personalberatung KAP1 und fügt gleich hinzu: „Es ist bis auf wenige Ausnahmen die globale Geschäftssprache. Wer in diesem Konzert nicht mitspielen kann, hat verloren.“

Wie wichtig Englischkenntnisse auch bei vielen deutschen Unternehmen sind, zeigt das Beispiel der HSH Nordbank. „Bei uns ist Englisch ganz offiziell neben Deutsch die zweite Unternehmenssprache. Sämtliche Mitteilungen der Geschäftsleitung an die Mitarbeiter sind zweisprachig abgefasst“, erklärt Sprecherin Michaela Fischer-Zernin und ergänzt „Wenn an internen Konferenzen Mitarbeiter teilnehmen, die Defizite in Deutsch haben, läuft die Kommunikation auf Englisch.“ Ihre Kollegin, Kathrin Dreyer, Leiterin Personalmanagement in Kiel bestätigt: „Auch von Mitarbeitern, die sich vorwiegend mit Zahlen beschäftigen, zum Beispiel Bilanzanalysten, erwarten wir zumindest so gute Englischkenntnisse, dass diese ausbaubar sind, wobei wir beim Training auf externe Experten setzen.“

„Wer meint, gutes oder auch sehr gutes Schulenglisch reicht aus, um auch im Beruf erfolgreich zu sein, begibt sich auf gefährliches Glatteis. Marcus de Heus berichtet, dass fast alle Bewerber ihre Sprachkenntnisse erheblich überschätzen. Gründe dafür nennt Gerhard Gleichmann, Geschäftsführer der Sprachschule inlingua: „Das Gymnasium liefert eine Sprachbasis, die viele Aspekte des Geschäftslebens nur unzureichend berücksichtigt. Es reicht auch nicht aus, die berufsspezifischen Fachbegriffe einer Sprache zu lernen. Wer im Beruf erfolgreich sein will, muss auch die sprachkulturellen Eigenheiten des Landes kennen.“ So scheuen Engländer und auch Amerikaner aus Gründen der Höflichkeit direkte Absagen. Wenn in einer Verhandlung Bemerkungen wie „Let us see about that later“ oder „It would be very difficult“ fallen, bedeutet das ein klares Nein. Deutsche Gesprächspartner, die das als Signal zur Verhandlungsbereitschaft auffassen, laufen ins offene Messer. Wenn ein Chinese fragt, ob Sie bereits zu Mittag gegessen haben, darf dies keinesfalls als Einladung zum Lunch aufgefasst werden: Chinesen bedienen sich solcher Redewendungen nur, um sich über Ihr Befinden zu erkundigen.

Hinzu kommen die scheinbar unausrottbaren typischen Sprachfehler, die selbst in großen Unternehmen immer wieder auftauchen. Ein klassischer Patzer: So mancher deutsche Geschäftsmann übersetzt „Sie müssen nicht“ falsch als „you must not“. Doch diese Formulierung bedeutet tatsächlich „Sie dürfen nicht“. Wer also sagt „You must not sign the contract today“, räumt seinem Partner nicht mehr Bedenkzeit ein, sondern verbietet ihm die zügige Vertragsunterschrift.

Vor dem Hintergrund der EU-Erweiterung kann es ratsam sein, sich zumindest Grundkenntnisse einer slawischen Sprache anzueignen. Zwar ist auch in den Ländern Osteuropas Englisch weit verbreitet, wenn nicht sogar oft Deutsch gut verstanden und gesprochen wird. Ein Small Talk auf Polnisch oder Russisch ist aber häufig der Türöffner und beweist Respekt vor der anderen Kultur.

Dennoch ist und bleibt Englisch die Geschäftssprache Nummer 1. Ausnahmen bestätigen die Regel: „Wer in Brasilien Geschäfte machen will, ist gut beraten, Portugiesisch zu lernen“, erklärt Afschin Mechkat, Geschäftsführer der Hamburger Sprachschule Crisol.

Wer seine Fremdsprachenkompetenzen ausbauen will, findet in Hamburg Dutzende von Sprachschulen. Den richtigen Partner zu finden, sollte trotzdem nicht allzu schwer sein, wenn man einige Grundsätze beachtet:

  • Die Schule sollte Mitglied im Bundesverband Deutscher Privatschulen oder zumindest nach ISO 9000 zertifiziert sein.
  • Bei Gruppenunterricht sollte die Zahl der Schüler acht Personen, besser jedoch sechs Personen nicht überschreiten.
  • Die Lehrkräfte müssen Muttersprachler sein.
  • Die Sprachschule sollte einen kostenlosen Test anbieten, mit dem der Kenntnisstand der Schüler ermittelt wird.
  • Nach intensiven Englischkursen sollte die Schule berechtigt sein, anerkannte Zertifikate auszustellen. Zu diesen Zertifikaten gehören: LCCI, das Cambridge Certificate, das Cambridge Professional Certificate und das TOEFL Zertifikat.
Axel Voss
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 302
hamburger wirtschaft, Ausgabe Februar 2006