Handelskammer Hamburg 2006

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UmweltPartnerschaft

Weil es sich auszahlt

Dass sich nachhaltiges Wirtschaften rentiert, spricht sich herum – und so überzeugt die Hamburger UmweltPartnerschaft immer mehr Unternehmen. Von der Agentur im Kleinstformat bis zur Traditionsdruckerei sind mittlerweile 341 Partner dabei.

Umweltschutz kann manchmal sehr kompliziert sein. Und manchmal auch sehr einfach. Ein schönes Beispiel für die Variante „einfach“ kennt Claudia Marxen, Chefin der Agentur Grafyx. Sie wollte wissen, wo sich in ihrer Design- und Werbeagentur Energieverschwender verstecken. Von Beratern des „Ökoprofit“-Programms ließ sie sich erklären, wie ein Strom-Messgerät funktioniert und begann mit den Nachforschungen. Erste Erkenntnis: Die Espressomaschine im Büro war gar nicht der gefürchtete Stromfresser. Als Übeltäter entlarvte die Agenturchefin ausgerechnet den angeblich besonders energiesparenden Farbdrucker.

„Ich habe viel gelernt“, sagt Marxen. So wird die Beleuchtung zukünftig durch Bewegungsmelder gesteuert, um Strom zu sparen. Fazit: „Wir haben 600 Euro in ein paar neue Geräte investiert und werden jetzt voraussichtlich jährlich 1700 Euro an Energiekosten sparen“, sagt die Kommunikationsdesignerin. So einfach kann Umweltschutz sein. Möglich macht das die Umweltpartnerschaft Hamburg, zu der auch das Ökoprofit-Programm gehört. 2003 hatten der Senat und die Hamburger Wirtschaft – vertreten durch die Handelskammer, die Handwerkskammer und den Industrieverband – diesen Pakt für einen praxisgerechten Umweltschutz geschlossen. 40 Projekte wurden vereinbart und auf den Weg gebracht, 341 Unternehmen haben sich bis heute daran beteiligt. Sie dürfen sich „Umweltpartner“ nennen und mit dem Logo der Umweltpartnerschaft werben.

Bei Ökoprofit beispielsweise – die Kurzform für „Ökologisches Projekt für Integrierte Umwelttechnik“ – werden in den Unternehmen innerhalb eines Jahres praxisnahe Maßnahmen zur Reduktion der Betriebskosten erarbeitet. Wo immer nötig, werden zur Beratung externe Fachleute hinzugezogen. Die Teilnehmer werden außerdem von einer Prüfungskommission unterstützt, die mit Experten der Handelskammer, der Handwerkskammer, der Wirtschafts- und der Umweltbehörde besetzt ist. Sie hilft bei der Umsetzung des Projekts und prüft abschließend, ob alle Ziele erreicht wurden.

Zur Umweltpartnerschaft führen viele Wege. Für Einzelhandel und Gastronomie beispielsweise hat die Handelskammer „Umweltchecks“ erarbeitet. Mit diesen branchenspezifischen Fragebögen können Unternehmen selbst prüfen, wie ausgeprägt ihr Umweltengagement bereits ist, und gegebenenfalls direkt die Aufnahme beantragen. Und im Programm „Unternehmen für Ressourcenschutz“ helfen Experten, die Unternehmen ökologisch aufzustellen und damit große Mengen an Kohlendioxid, Trinkwasser, Abwasser, Energie, Gefahrstoffen und Abfall einzusparen. Gleichzeitig werden so Betriebskosten dauerhaft um mehrere Millionen Euro Betriebskosten gesenkt.

Ein gutes Beispiel, wie auch ein großes Unternehmen ökologische Standards setzen kann, ist die traditionsreiche Tiefdruckerei Broschek. Hier wird im 24-Stunden-Betrieb gedruckt, jährlich durchlaufen 176000 Tonnen Papier das Werk. Bei der Produktion der ungeheuren Mengen an Zeitschriften, Katalogen und Werbemitteln entstehen täglich große Mengen Abfälle – von den Papierspänen bis zur Abwärme. Im Rahmen des Programms „Unternehmen für Ressourcenschutz“ hat Broschek zusammen mit der Umweltbehörde Konzepte entwickelt, um dieser Emission Herr zu werden.

So wird überschüssige Abwärme der Abluftreinigungsanlagen ins Fernwärmenetz eingespeist. Papierspäne werden abgesaugt und verheizt, auch hier entsteht Nutzwärme. Eine Komplett-Umgestaltung der Sanitärräume half, über die Hälfte des Wasserverbrauchs und 60 Prozent des Stroms einzusparen. Jährlich werden hier 29410 Kubikmeter Trinkwasser und 12483 Megawattstunden Energie eingespart. Der Kohlendioxid-Ausstoß sank um 3 231 Tonnen Kohlendioxid, das entspricht den Emissionen von 500 Einfamilienhäusern. Von A wie Airbus bis Z wie ZVH Heizungstechnik: Wer einen Blick in die Liste der Umweltpartner wirft, bekommt einen Eindruck von der Vielfalt nachhaltigen Wirtschaftens in Hamburg. Partner werden können Einzelunternehmen, Verbände und andere Einrichtungen der Wirtschaft, zum Beispiel Gütegemeinschaften. Wer Mitglied wird, ist damit auch Teil eines Netzwerkes: Informationsveranstaltungen, Arbeitsgruppen oder Veröffentlichungen unterstützen die UmweltPartner in ihren Projekten. Ein schöner Nebeneffekt ist die Möglichkeit, ohne Konkurrenzdruck und über Branchengrenzen hinweg Fragen zu stellen und Lösungswege auszutauschen. Denn nachhaltiges Wirtschaften bedeutet auch ständiges Lernen.

Andrea Mertes
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 302

Infos und Kontakte

Wenn Sie eine Beratung zur Umweltpartnerschaft oder zu den neuen Umweltchecks wünschen, wenden Sie sich bitte an Matthias Weiß, Tel. 36 13 8-796, matthias.weiss@hk24.de oder Adrian Ulrich, Tel. 36 13 8-267, adrian.ulrich@hk24.de.

Weitere Informationen über die Umweltpartnerschaft unter www.hk24.de, Dokumenten-Nr. 22170.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Dezember 2006