Handelskammer Hamburg 2006

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Serie: Elblabor

Tradition im Doppelpack

Der Name „Krüss“ ist seit über 200 Jahren Begriff für Geräte, die etwas anzeigen, abbilden oder messen. Heute, in der achten Generation, existieren zwei ausgezeichnete Unternehmen mit (fast) gleichen Namen und ähnlichen Produkten – aber unterschiedlichen Kundengruppen: Die Krüss GmbH Wissenschaftliche Laborgeräte und die A. Krüss Optronic GmbH.

Mit dem weltweit ersten Projektor, der Laterna Magica, erwarb das Optische Institut A. Krüss Weltruhm. Fast 200 Jahre ist das jetzt her – und der Name Krüss hat immer noch einen guten Klang. Inzwischen ist er Synonym für hochmoderne Präzisionsmechanik und ausgefeilte optische Messgeräte. Und zwar gleich doppelt: Als der letzte alleinige Geschäftsführer Andres Krüss 1980 das Unternehmen auf seine beiden Töchter übertrug, teilten die beiden das Erbe auf und gingen getrennte Wege: Martina Krüss-Leibrock führte die A. Krüss Optronic GmbH weiter. Marianne Krüss gründete die Krüss GmbH Wissenschaftliche Laborgeräte und übertrug die Geschäftsführung an ihren Mann Cornelius Weser.

Die Krüss GmbH mit Sitz in Groß Borstel ist Spezialist für die Untersuchung von Grenz- und Oberflächen aller Art – Messtechniken, die für die Entwicklung der verschiedensten Alltagsprodukte benötigt werden. Instantkaffee, der sich in heißem Wasser auflöst, Lacke, die an der bemalten Oberfläche haften, Waschmittel, die den Schmutz von der Faser ablösen: dahinter steckt immer das Wissen um die Beschaffenheit von Grenz- und Oberflächen.

Die wichtigsten Produkte der Krüss GmbH sind die Tensiometer und Kontaktwinkelmesssysteme. Diese Geräte messen zum Beispiel die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten nach einem alten Prinzip, das die Groß Borsteler automatisiert haben, wie einer der beiden Geschäftsführer, Alexander Bünz, erklärt: Ein Platinring wird in die zu messende Flüssigkeit getaucht. Aus der Kraft, die benötigt wird, um in diesem Ring eine Flüssigkeitslamelle wieder herauszuziehen, lässt sich die Oberflächenspannung errechnen.

Doch heute geht es um weitaus mehr als Waschpulver und löslichen Kaffee. Nanotechnologie, Pharmabranche und Elektronikindustrie verlangen nach modernsten Methoden für modernste Produkte. Vor allem Feststoffe wollen mit besonders ausgefeilten Messtechniken beurteilt werden. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Pharmaunternehmen presst sein Logo auf Tabletten. Das geschieht mit einem Teflonbeschichteten Stempel. An diesem blieb aber stets ein kleiner Rest des Medikaments haften. Die Folge: Beim nächsten Stempelgang war die Prägung unsauber.

Für Fälle wie diesen hat Krüss den auf dem Weltmarkt sehr erfolgreichen „Drop Shape Analyser DSA 100“ entwickelt. Das Prinzip: Ein Tropfen einer Referenzflüssigkeit, meist Wasser, wird auf die zu prüfende Oberfläche gegeben und einer Lichtquelle ausgesetzt. Eine Spezialkamera misst dann den Winkel zwischen Tropfen und Oberfläche. So kann die Oberflächenspannung beispielsweise von Werkzeugen oder Tischoberflächen bestimmt werden – und damit beispielsweise auch die Haftfähigkeit von Lacken auf diesen Oberflächen. Mithilfe der Messtechnik von Krüss konnte das Pharmaunternehmen die Materialzusammensetzung des Stempels analysieren und so optimieren, dass jede Prägung einwandfrei ist.

Für seine zukunftsweisenden Leistungen wurde die Krüss GmbH 2005 beim Mittelstandswettbewerb „Top 100“ als innovativstes Unternehmen in der Sparte „Prozesse und Organisation“ geehrt.

Ausgezeichnet wurde in diesem Wettbewerb auch das Stamm-Unternehmen, die A. Krüss Optronic GmbH unter der Leitung von Martina Krüss-Leibrock und ihrer Tochter Karin Leibrock. Mit ihrem Polarimeter P8000 setzte die Firma weltweit Maßstäbe: Mit dem neuartigen Gerät können Händler in Sekundenschnelle die Qualität von angelieferten Waren kontrollieren. So richtet sich der Preis von Zuckerrüben danach, wie hoch darin der Anteil verschiedener Zuckerarten ist. Um diese Werte zu ermitteln, war bislang ein aufwändiges Analyseverfahren nötig.

Um die schnelle und vor allem präzise Messung möglich zu machen, setzten die Alsterdorfer auf ein neues Messprinzip: Sie messen die optischen Rotation der Inhaltsstoffe, also die Art und Weise, in der sie einfallendes Licht brechen. Anwendung finden die Polarimeter in der Chemie-, Pharma-, Lebensmittel- und vor allem der Zuckerindustrie.

Einen guten Namen hat sich Krüss Optronic auch mit Handrefraktrometern erarbeitet, Geräte die beispielsweise zur Beurteilung der Qualität von Kühlflüssigkeiten verwendet werden.

Gut im Geschäft ist das Unternehmen auch mit der Sparte Gemmologie, also der Edelsteinkunde. Mit ihren Messgeräten kommt Krüss selbst den cleversten Edelsteinfälschern auf die Schliche. Früher konnte man Imitate daran erkennen, dass sie Wärme anders leiten als das Original. Inzwischen ist die Fälschungstechnik aber so weit, dass dieser Parameter allein nicht mehr ausreicht. Die Geräte von Krüss Optronic prüfen deshalb zusätzlich, wie sie Steine Licht reflektieren – und unterscheiden so das Original vom Plagiat.

Zudem produziert und vertreibt Krüss Optronic Mikroskope, Schmelzpunktmessgeräte und Thermostate für Laboranwendungen.

Daniel Hautmann
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 302
hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2006