Handelskammer Hamburg 2006

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Norddeutsche Affinerie AG

Von der Peute in alle Welt

Aus einem dunklen Kellerraum auf St. Pauli zum viertgrößten Kupferproduzenten der Welt: Die „Affi“ feiert. Vor genau 140 Jahren wurde die Norddeutsche Affinerie AG gegründet.

Die offizielle Geburtsstunde der Norddeutschen Affinerie schlug am 28. April 1866. Die Ursprünge des Metallherstellers reichen allerdings weiter zurück. Bereits 1770 begann Marcus Solomon Beit in den Kellerräumen der 1. Elbstraße unweit des Zeughausmarktes Gold und Silber voneinander zu scheiden – zu „affinieren“.

Im 19. Jahrhundert brachten Auswandererschiffe immer häufiger Kupfererze in die Hansestadt. Für die Reedereien war das ein so einträgliches Geschäft, dass sie sich auch um die Weiterverarbeitung kümmerten. Die Reederdynastie Godeffroy und der Kaufmann Siegmund Robinow bauten 1846 auf der Elbinsel Steinwerder das „Elbkupferwerk“, wo die Erze aus Übersee verhüttet wurden. Zehn Jahre später gingen das Elbkupferwerk und das Beit’sche Stammwerk in der „Elbhütten Affinerie und Handelsgesellschaft“ auf.

3000 Tonnen Kupfer wurden damals auf Steinwerder pro Jahr produziert. Doch 1866 war der Kupferrausch schon wieder vorüber. Das Werk auf Steinwerder musste schließen, nur der Einstieg der Norddeutschen Bank rettete die Kupferverarbeitung in Hamburg. Sie übernahm das Werk in der 1. Elbstraße und legte damit den Grundstein für die Norddeutsche Affinierie (NA).

Heute ist die NA der größte Kupferproduzent Europas und der größte Kupferrecycler der Welt, doch schon bei ihrer Gründung spielte die Wertstoff-Aufbereitung eine wichtige Rolle. Gold- und silberhaltiges Metall, beispielsweise alte Münzen, edelmetallhaltige Abfälle und gold- und silberhaltige Erze wurden verarbeitet. Wirtschaftlich erfolgreich war das Geschäft schon damals: Die junge Aktiengesellschaft erzielte in ihrem ersten Jahrzehnt eine jährliche Dividende von 12 Prozent. Mit dem Wachstum wurde der Platz mitten in St. Pauli knapp. 1909 folgte der erste Spatenstich auf einem neuen Grundstück auf der Elbinsel Peute.

Inzwischen produziert die NA pro Jahr rund 800000 Tonnen Kupfer und Kupferprodukte wie Drähte, Bleche oder Legierungen. Ein profitables Geschäftsfeld ist außerdem der Verkauf von Nebenprodukten der Kupfererzeugung wie Schwefelsäure, Zinn, Blei, Silber oder Gold.

40 Prozent des Kupfers wird aus Recyclingmaterialien gewonnen. Überhaupt spielt der Umweltschutz eine große Rolle, auf diesen Bereich entfielen seit 1981 rund ein Drittel der Investitionen. Die NA gehört international zu den ressourcenschonendsten und emissionsärmsten Kupferhütten; so fielen auf der Peute 2004 nur noch vier Kilogramm Schwefeldioxid pro Tonne erzeugten Kupfers an – ein Hundertstel des weltweiten Durchschnitts.

Seit dem Börsengang im Jahr 1998 hat die Norddeutsche Affinerie immer wieder Tochtergesellschaften ausgegliedert oder Beteiligungen hinzugekauft. Heute hat die NA 19 Beteiligungen und beschäftigt 3200 Mitarbeiter. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte man auf der Peute drei Milliarden Euro Umsatz und zahlte eine Dividende von einem Euro pro Aktie aus. Und die weiteren Aussichten sind sehr gut: Weltweit steigt die Kupfernachfrage, vor allem im Wachstumsland China. Auch die anziehende Konjunktur in Europa trägt zur Verknappung des Angebots bei.

Ihrem Standort fühlt die Norddeutsche Affinerie sich verpflichtet. So unterstützt sie Jugendliche in den benachbarten Stadtteilen im Süden Hamburgs. Gemeinsam mit der Ganztagsschule Slomanstieg beteiligt die Norddeutsche Affinerie sich am Projekt „Praxislerntag“ und lässt Schüler der achten Hauptschulklasse einen Tag pro Woche in ihrer Lehrwerkstatt arbeiten. Sinn der Maßnahme: Die Jugendlichen an die Realitäten der Arbeitswelt heranführen und Nachwuchs rekrutieren. Viele Schüler bekommen hier später auch eine Lehrstelle.

Auf der Veddel fördert die NA das Projekt „Elbstromer“, in dessen Rahmen das „Haus der Jugend“ Jugendliche an den Kanu- und Segelsport heranführt. In einigen Jahren soll aus den Elbstromern eine kleine erfolgreiche Segelmannschaft werden. Mit Rückenwind der Norddeutschen Affinerie.

Harry Weiland
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 302
hamburger wirtschaft, Ausgabe Juli 2006