Handelskammer Hamburg 2006

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dtp entertainment AG

Die Spielemacher vom Goldbekkanal

Fast jedes Mädchen kennt sie: Computerspiele mit Pferden in der Hauptrolle. Dahinter steckt meistens die Hamburger dtp entertainment AG. Das Unternehmen ist Marktführer im Bereich Produktion, Marketing und Vertrieb von Kinder- und Abenteuerspielen im deutschsprachigen Raum.

Angefangen hat es Anfang der 80er-Jahre mit der Musik. Thomas Baur, Geschäftsführer der dtp entertainment AG, hatte schon damals ein gutes Gespür für den Markt. Er produzierte nicht nur Songs, sondern machte sie auch zu Verkaufsschlagern. Zu seinen Kunden zählte auch eine der bekanntesten Punkbands Deutschlands.

1995 gründete Baur die dtp entertainment AG. Zunächst konzentrierte er sich auf Anwenderprogramme. Erst 1999 wurde der Grundstein für die heutige Erfolgssparte gelegt: dtp brachte die ersten Computerspiele heraus. Mit Pferdespielen für Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren erschloss dtp eine ganz neue Zielgruppe. „Kinder möchten ihre Hobbys auch im Spiel ausleben – und welches Mädchen dieser Altersgruppe interessiert sich nicht für Pferde?“, erklärt Baur. 2002 landete er seinen nächsten Coup. Das Abenteuerspiel „Runaway“ wird mit über 60000 Stück ein Verkaufsrenner. Über Nacht bekam die ins Stocken geratene Adventure-Sparte neuen Auftrieb. In diesem Jahr wird dtp unter den für den Adventure-Bereich gegründeten Label „Anaconda“ den zweiten Teil von „Runaway“ herausbringen.

Heute ist dtp aus der Games-Branche nicht mehr wegzudenken. 2005 hatte die Firma mit „Nibiru“ das erfolgreichste Adventure- und mit „Meine Tierpension“ das meistverkaufte Kinderspiel im Programm. Das Adventure-Spiel zur Sat.1-Telenovela „Verliebt in Berlin“ war der Verkaufschlager des vergangenen Weihnachtsgeschäfts. „Während die Branche ihren Umsatz im letzten Jahr um durchschnittlich 12 Prozent steigerte, konnten wir um über 50 Prozent auf rund 15 Millionen Euro zulegen“, berichtet Baur stolz.

Ebenfalls im letzten Jahr bezog die ständig wachsende Crew um Baur größere Geschäftsräume, mit schöner Aussicht auf den Goldbekkanal. „Unser Team besteht mittlerweile aus 42 Mitarbeitern, darunter drei Auszubildende und regelmäßig drei bis vier Praktikanten“, so Baur.

Diesen Erfolg und die rasante Entwicklung schreibt der dtp-Chef der vielen Kopfarbeit zu: „Angefangen bei der Suche nach Themen bis hin zur Gestaltung des Covers, alles wird sorgfältig ausgearbeitet und geplant. Unser überschaubarer Katalog ist dabei von Vorteil. So kümmern wir uns intensiv um unsere Produkte“, erklärt Baur. Bei der Entwicklung der Kinderspiele werden die Endnutzer häufig selbst eingebunden. „Wir fragen die Mädchen, was ihnen gefällt und was nicht“, erklärt Baur. Auch die Titelbilder werden den jungen Kundinnen vorgelegt.

Weiterer entscheidender Erfolgsfaktor für das Unternehmen ist die Zusammenarbeit mit den Computerspiel-Entwicklern. Seit Oktober letzten Jahres ist dtp Fördermitglied ihres Bundesverbands (G.A.M.E.). „Uns geht es darum, das Kulturgut ‘deutsche Entwicklung’ durch die Vergabe von Aufträgen aktiv zu unterstützen“, sagt Baur. Die Kinderspiele lässt dtp ausschließlich von deutschen Teams entwickeln: „Speziell bei diesen Produkten ist es wichtig, dass unsere Gedanken bis ins Detail richtig verstanden und umgesetzt werden.“

Auch der Standort Hamburg trägt zum Erfolg bei. Viele Unternehmen der Games-Branche arbeiten hier. Das ermöglicht einen intensiven Austausch. „Oft ist es effektiver, Dinge persönlich zu besprechen als am Telefon oder per E-Mail“, findet Baur. „Darüber hinaus leistet der Arbeitskreis Games unter dem Dach von hamburg@work gute Branchenarbeit und ist Plattform für neue Partnerschaften.“

Auch international ist die dtp AG aktiv. „In Frankreich sind wir bereits gut vertreten. Weitere wichtige Märkte, auf die wir uns künftig stärker konzentrieren wollen, sind Australien, England und die Vereinigten Staaten“, berichtet Baur. In Planung ist ein weiteres Standbein und damit einige neue Produkte, für die eigens die dtp young entertainment GmbH & Co. KG gegründet wurde: „Unser Angebot im Kindersegment unter den Labels „Pferd&Pony“ und „ANIKIDS“ soll um Kartenspiele und Hörspielkassetten ergänzt werden.“ Für die Eltern junger Pferdefans sicher eine willkommene Alternative zum eigenen Pony.

Klaus Jürgen Mansutti
klaus.mansutti@hk24.de
Telefon 36 13 8 250

hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2006