Handelskammer Hamburg 2005

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Philips Medical Systems DMC GmbH

Röntgenröhre "MRC"

Das Produkt
Ihre Entdeckung war im 19. Jahrhundert eine Sensation: Röntgenstrahlen kamen selbst in Schuhgeschäften zum Einsatz - mit ihrer Hilfe begutachteten die Kunden ihre Füße im neuen Schuhwerk. Bis heute werden die unsichtbaren Strahlen in der Röntgenröhre erzeugt. Eine der modernsten produziert die Philips Medical Systems DMC GmbH: Die Metall Rotalix Ceramic, kurz: MRC-Röhre.

Rund 2000 Stück der 80000 Euro teuren Röhren stellen die 1100 Fabrikarbeiter in Hamburg-Fuhlsbüttel jährlich her. Eingesetzt wird die MRC-Röhre vor allem in Computertomographen oder den Systemen von Herzkatheterlabors. Vor allem deutsche Kliniken und Labors arbeiten mit ihr, aber auch in Nordamerika und China ist sie gefragt.

Qualitätsmanager Guido Prühs hat die Entwicklung des neuesten Modells mitverfolgt: "Das Konzept ist seit den 90er Jahren auf dem Markt und wird stets weiterentwickelt", sagt er. Das Herzstück der Geräte entsteht binnen sieben Tagen: Ein Metallgehäuse, in dem sich eine Glühkathode (Minus-Pol) und eine Anode (Plus-Pol) befinden. Die Röhre wird luftleer gepumpt und in ein mit Blei ausgekleidetes Röhrenschutzgehäuse eingebaut, wo sie von einer isolierenden Ölschicht umgeben ist.

Das Prinzip: Elektrische Energie bringt die Kathode zum Glühen, zwischen ihr und der Anode entsteht ein elektrisches Feld mit einer Spannung zwischen 25000 und 150000 Volt. Die Elektronen bewegen sich so schnell von der Kathode zur Anode, dass sie dort beim Aufprall Energie in Form von Bremsstrahlung freisetzen: Röntgenstrahlen. "Je stärker die Spannung zwischen Kathode und Anode ist, desto intensiver sind die Röntgenstrahlen und ihre Fähigkeit, Materie zu durchdringen", erklärt Prühs. Bis zu eine Million Aufnahmen könne eine MRC- Röhre produzieren. Ihre Robustheit verdankt sie dem drehbaren Anodenteller mit einer Wolfram-Rhenium-Legierung. Er verteilt die Hitze besser als eine unbewegliche Anode, sagt Prühs. Gehalten wird die Anode von einem Lager, in dessen Rillen sich flüssiges Metall sammelt. Auf diesem Metall-Film rotiert der Anodenteller lautlos und ohne Verschleiß.

Die Geschichte
Am 8. November 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen die unsichtbaren Strahlen. Ausgehend von seinen Entdeckungen entwickelte der Hamburger Glasbläser Carl Heinrich Florenz Müller gemeinsam mit Ärzten die erste wassergekühlte Antikathode. 1901 ehrte ihn die Röntgen-Society London dafür mit der Goldmedaille. "Röntgenmüller" produzierte im Jahr 1909 bereits 6600 Röntgenröhren und verkaufte sie weltweit. Kurz darauf begann die Philips Gloeilampenfabrik im holländischen Eindhoven, kaputte "Müller"-Röhren zu reparieren und produzierte schließlich selbst. Am 17. April 1927 übernahm Philips "Röntgenmüller" und bündelte die Entwicklung und die Produktion von Röntgenröhren in Hamburg.

Das Unternehmen
Der niederländische Elektronikkonzern Philips beschäftigt heute in über 60 Ländern 162000 Mitarbeiter. Sie entwickeln und produzieren unter anderem Unterhaltungselektronik, Beleuchtung, Haushaltsgeräte, Halbleiter sowie diagnostische Geräte und Technologien für die Patientenüberwachung. Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen 2004 einen Jahresumsatz von 30,3 Milliarden Euro.

Katrin Pliszka
katrin.pliszka@hk24.de
Telefon 36 13 8 329
hamburger wirtschaft, Ausgabe Mai 2005