Handelskammer Hamburg 2005

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Mediation

Die Kuh vom Eis geholt

Wenn ein Unternehmen in der Existenzkrise steckt, ist bei Gesprächen mit Gläubigern und Mitarbeitern Fingerspitzengefühl gefragt. Da zahlt sich der Einsatz eines Mediators aus, wie der folgende Fall zeigt.

Friedrich Unruh (Name von der Redaktion geändert) war erfolgreicher Unternehmer. Doch bei allem Erfolg hatte er eines vergessen: Rechtzeitig Vorsorge zu treffen für die Zeit nach ihm. Das rächte sich, als der 67-Jährige eines Tages schwer erkrankte und dauerhaft nicht mehr in der Lage war, sein Maschinenbauunternehmen zu führen. Weder im Unternehmen noch in der Familie fand sich jemand, der in der Lage gewesen wäre, in Unruhs Rolle hineinzuwachsen.

Friedrich Unruhs junge Ehefrau Charlotte, der die Aufgabe der Unternehmensführung zwangsweise zufiel, verfügte über keinerlei geschäftliche Erfahrung. Und durch die Pflege ihres Mannes und die Betreuung ihrer kleinen Tochter war sie zeitlich stark eingespannt. Es kam wie es kommen musste: Mit dem Unternehmen ging es stetig bergab. Die Insolvenz drohte, und mit ihr der Verlust der Lebensgrundlage der Familie. In dieser Situation suchte die Ehefrau die Hilfe des Wirtschaftsmediators Karl Brandt, der als Ökonom langjährige Erfahrung in der Insolvenzverwaltung hat und bei der Hamburger Mediationsstelle für Wirtschaftskonflikte registriert ist.

Brandt ging sofort daran, die finanziellen Spielräume von Familie und Unternehmen auszuloten. Schnell wurde klar: Das Unternehmen hatte gute Chancen, am Markt zu bestehen – vorausgesetzt, die Krise würde gemeistert. Mit diesem Wissen ging er in die Gespräche mit den 60 Mitarbeitern und 25 Gläubigern des Unternehmens. „Die Mitarbeiter fürchteten um ihre Arbeitsplätze“, erinnert sich Brandt. „Da musste wieder Ruhe reingebracht werden. Ansonsten wäre ein produktives Arbeiten nicht mehr möglich gewesen.“ In einer solchen Situation müssen die Fakten auf den Tisch, erklärt der Mediator, „schließlich sollten die Mitarbeiter nicht das Gefühl gewinnen, da kommt jetzt einer von außerhalb und entscheidet über unsere Zukunft.“ Und das gelang. Die Mitarbeiter erkannten, dass auch Charlotte Unruh das Unternehmen retten wollte, und zogen mit ihr an einem Strang. Im nächsten Schritt gingen Brandt und Charlotte Unruh auf die Gläubiger des Unternehmens zu. „Wir mussten ihnen klar machen, dass sie gute Chancen hatten, ihr Geld doch noch zurück zu bekommen, wenn sie uns entgegenkommen“, sagt Brandt. Hierzu bedurfte es zahlreicher Gespräche. „Mir war wichtig, dass die Gläubiger das Gefühl hatten, ihre Interessen sind dem Unternehmen nicht gleichgültig. Gleichzeitig sollten sie natürlich die Interessen des Unternehmens kennen. Und diese Interessen sollten in einen vernünftigen Ausgleich gebracht werden.“ Auf dieser Basis konnte Brandt die Gläubiger davon überzeugen, ihre Forderungen zurückzustellen – für eine begrenzte Zeit, in der Karl Brandt die Geschäfte des Unternehmens weiterführen sollte. Diese Atempause genügte, um die Krise zu meistern. Die Arbeitsplätze sämtlicher Mitarbeiter blieben erhalten und die Gläubiger erhielten ihr Geld zurück. Das Unternehmen konnte gewinnbringend verkauft werden, damit war die Lebensgrundlage der Familie gesichert.

Claudia Toussaint
claudia.toussaint@hk24.de
Telefon 36 138 343

Infos und Kontakte

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Muster-Mediationssklausel:
„Die Parteien verpflichten sich, im Falle einer sich aus diesem Vertrag ergebenden Streitigkeit vor Klageerhebung bei einem ordentlichen Gericht oder Schiedsgericht eine Mediation gemäß der Hamburger Mediationsordnung für Wirtschaftskonflikte durchzuführen."

hamburger wirtschaft, Ausgabe März 2005