
hamburger wirtschaft: mySelect.de ist seit September 2004 online und inzwischen eines der führenden Portale im Impulskauf-Bereich. Wie verlief Ihr Gründungsprozess?
Michael Breyer: Wir hatten von Anfang an ein klares
Konzept, das die Vorteile des Internets mit der traditionellen Geschäftsform
Handel verbindet. Der Markt ist nur auf den ersten Blick aufgeteilt, der
Vertriebskanal Internet kann immer noch erfolgreich Nischen erschließen.
hw: Haben es Gründer aus dem Internetbereich
heute leichter als Gründer aus anderen Branchen?
Breyer: Das Gegenteil ist der Fall. Sobald im Businessplan das Wort „Internet“ nur auftaucht, werden die Angesprochenen misstrauisch. Die Fehler, die Unternehmen, Gründer und Banken vor fünf, sechs Jahren gemacht haben, hängen der Branche immer noch nach. Das Geschäftsmodell muss heute doppelt so gut sein wie andere, um Geld für ein Internet-Projekt zu bekommen.
hw: Und Ihre Idee war für die Finanzierungspartner sofort nachvollziehbar?
Breyer: Wir hatten Glück, dass unser Investor, die HEP-Hongkong Equity Partners, sowohl Finanzierungs- wie auch Handels-Know-how mitbrachte. Ohne einen Partner, der die Geschäftsidee von Anfang an verstanden hatte, gäbe es mySelect.de heute nicht. Pikanterweise brauchte es Geld aus dem Ausland, um ein deutsches Startup zu finanzieren.
hw: Ist ein Investor die bessere Alternative zur Bankenfinanzierung?
Breyer: Das war die einzige Wahl, die wir hatten. Bei einer Bank hätten wir keine Chance auf Finanzierung gehabt. Und erst, nachdem wir den Investor an Bord hatten, zeigten auch andere Finanzierungspartner Interesse an uns.
hw: Begibt man sich als junges Unternehmen nicht in eine große Abhängigkeit von einem Investor?
Breyer: Sobald ein Unternehmen Fremdkapital benötigt, ist eine Abhängigkeit da. Es kommt allerdings darauf an, wie man das Verhältnis gestaltet. Die Regeln müssen klar definiert sein. Bei uns kam der Vorteil hinzu, dass der Investor zusätzliches Know-how und Einkaufskontakte mit einbrachte.
hw: Und dann war mySelect.de plötzlich auch interessant für andere Partner?Breyer: Vor allem, nachdem sich die ersten Erfolge einstellten. Das ist das Paradoxe daran: Wenn es der Gründer fast schon geschafft hat und die Anlaufphase geglückt ist, werden die Gespräche mit Finanzierungspartnern einfacher. Vorher hat man außer eine guten Idee ja nichts vorzuweisen.
hw: Wer hilft Existenzgründern in dieser schwierigen Start-Phase?
Breyer: Mir hat in erster Linie das persönliche Netzwerk geholfen, das ich unter anderem durch meine ehrenamtliche Tätigkeit im Handelskammer-Ausschuss für E-Business bilden konnte. Hier habe ich wertvolle Informationen und Hilfestellung erhalten. Mittlerweile bin ich auch mit der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg und deren Beteiligungsgesellschaft im Gespräch. Beide Institutionen sind wichtige Fördereinrichtungen für Hamburger Existenzgründer, die noch viel zu wenig bekannt sind.
hw: Vor Ihrer Existenzgründung waren Sie Berater bei Roland Berger und angestellter Manager bei Tchibo. Nutzen Ihnen die Erfahrungen, die Sie dort gesammelt haben?
Breyer: Natürlich greife ich auf dieses Wissen ständig zurück. Viele Projekte, die ich in dieser Zeit begleitet habe, waren ja kleine Existenzgründungen, wenn man so will. Aber heute vollständig in der Verantwortung für das eigene Unternehmen zu stehen, ist doch ein anderes Gefühl. Das war übrigens Hauptmotivation für mich bei meinem Schritt in die Selbständigkeit: Für mich waren „echte“ Hamburger Unternehmer immer ein Vorbild.