Handelskammer Hamburg 2005

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Im Gespräch: Spezialtransporte Lebensmittel

Klein besetzter Markt

Lebensmitteltransporte in Tanks und Bulkcontainer sind etwas für Fachspediteure. Die Zahl der Anbieter in Deutschland ist deshalb überschaubar, vor allem bei Unternehmen, die sowohl national als auch international tätig sind. Marktführer in Deutschland und zugleich auf dem Vormarsch in Europa ist die HOYER GmbH. Die hamburger wirtschaft sprach mit Jens Redecker, Manager der Business-Unit HOYER Foodlog, über die Besonderheiten dieses Marktes und die Unternehmensstrategie für die nächsten Jahre.

hamburger wirtschaft: Welche Produkte sind typisch für diese Spezialtransporte?

Jens Redecker: Die Produktpalette umfasst u.a. hochkonzentrierten Alkohol, Fette und Öle, Glucose, Glyzerin, Molkereierzeugnisse, Säfte und Fruchtkonzentrate und flüssige Schokolade. Klassisches Transportgut sind aber auch schütt- oder rieselfähige Produkte wie Salz, Zucker und Kaffee.

hw: Die Firma HOYER ist Marktführer in Deutschland. Der Markt selbst ist von einem hohen Konzentrationsgrad geprägt. Wie haben Sie diese Spitzenposition erreicht?

Redecker: Seit der Gründung im Jahr 1946 zählt der Transport von Lebensmitteln zu unseren Kerngeschäften. Um Leistungsfähigkeit und Qualität weiter zu optimieren und Kompetenzen zu bündeln, wurden alle Lebensmittelaktivitäten der HOYER-Gruppe in der Business-Unit HOYER FOODLOG vereint. Außer der klassischen Transportabwicklung bieten wir unseren Kunden über das europäische Netzwerk maßgeschneiderte, integrierte Logistiklösungen (Supply Chain Management) an. HOYER hat damit ein Alleinstellungsmerkmal. Die Wettbewerber hingegen beschränken sich meist auf die reine Transportabwicklung. Das macht den Unterschied und brachte uns an die Spitze des deutschen Marktes.

hw: Wie ist HOYER in Europa positioniert?

Redecker: Beim Transport von Glucose hat sich HOYER FOODLOG bereits eine herausragende Marktstellung erarbeitet: Hier sind wir die Nr. 1 in Europa. Bei den anderen Produkten ist der Marktanteil dagegen noch relativ niedrig. Aber das wird sich ändern. Wir streben im Gesamtbereich die Marktführerschaft an; dies werden wir allerdings nur durch Firmenzukäufe erreichen.

hw: Neben dem klassischen Tankwagen gewinnen die Intermediate Bulk Container (IBC) zunehmend an Bedeutung. Gibt es dafür Gründe?

Redecker: Die IBC schließen die logistische Lücke zwischen Fass- und Tankzug – nicht nur beim Transport, sondern auch bei der Lagerung. Sie sind sehr flexibel im Einsatz, das gilt vor allem für Kunden, die nicht über große Transportmengen verfügen. Dies spart Kosten. Außerdem sind die IBC leichter zu reinigen. Bei schwierigen Produkten wie Schokolade ist dieser Vorteil beträchtlich. Die Vielseitigkeit der IBC beweisen Einsätze für die Belieferung von Weihnachtsmärkten mit Glühwein oder von Großveranstaltungen mit Heißwasser für die Teezubereitung.

hw: Bei der Vielzahl von Produkten, die in den Tanks und IBC befördert werden, ist anzunehmen, dass an die Reinigung hohe Anforderungen gestellt werden. Wie werden Sie diesem Anspruch gerecht?

Redecker: Sicherheit, Sauberkeit und Qualität haben für uns höchste Priorität. Nicht umsonst sind wir Gründungsmitglied des Deutschen Reinigungsverbandes DVTI. Für die perfekte Produktqualität sorgt eine Vielzahl von Tankreinigungsanlagen. Die Reinigung erfolgt ausschließlich mit Reinigungsmitteln, die der Lebensmittelhygieneverordnung entsprechen. Auch Spezialreinigungen unter Sterilbedingungen mit CO2-Überdruck gehören zum Standard. Das Total-Quality-Management-System der HOYER-Gruppe ist nach ISO 9001 zertifiziert.

hw: Welche Investitionen plant Hoyer auf diesem Sektor für die nächsten 5 Jahre.

Redecker: Neben dem klassischen Markt in Zentraleuropa als unser Bestandsgeschäft, werden wir unsere Tätigkeiten nach Ost- und Südosteuropa ausweiten. Hier folgen wir den Märkten unserer Kunden, da sich die Produktionsstätten weiter nach Osten verlagern. Wir sind hier bereits seit Jahren mit eigenen Infrastrukturen vertreten. Einen weiteren strategischen Markt sehen wir im nationalen Geschäft in Großbritannien. Durch unser Hauptgewicht im Chemie- und Petrogeschäft ist unser Bekanntheitsgrad in der Lebensmittelbranche dort noch nicht gefestigt. Durch die eigene Salesforce bauen wir diese Märkte weiter aus. Unser Ziel ist es, innerhalb von 5 Jahren Marktführer in der Lebensmittellogistik in Europa zu werden.

Günter Dorigoni
guenter.dorigoni@hk24.de
Telefon: 36 13 8 310
hamburger wirtschaft, Ausgabe Juli 2005